Robotic Process Automation in der Finanzbranche

Durch die Verwendung von Robotic Process Automation (RPA) Software in Unternehmen können oftmals Prozesszeiten um mehr als 70 % verkürzt, Prozesskosten signifikant verringert und die Qualität der Prozessergebnisse gesteigert werden. RPA ist dabei eine technologische Weiterentwicklung der klassischen Prozessanalyse und -automatisierung, welche mithilfe von programmierten Softwarerobotern menschliche Interaktionen mit IT-Systemen nachahmen kann. Roboter kommen dabei vorrangig in industrienahen Branchen zum Einsatz, während die Vorteile der verschiedenen Anwendungen in der Finanzbranche bisher weitestgehend ungenutzt bleiben. Gerade Finanzinstitute weisen jedoch aufgrund der oftmals standardisierten Produkte, sowie den hohen regulatorischen Anforderungen eine Vielzahl an regelbasierten und repetitiven Prozessen auf, welche sich ausgezeichnet für den Einsatz von RPA-Software anbieten würden.

 

Welche Vorteile liefert der Einsatz von RPA-Software?

Ein besonderer Pluspunkt von RPA ist es, dass vorhandene IT-Systeme und Architekturen weitestgehend unverändert weiterbestehen und genutzt werden können. Gerade im Bankwesen ist dies ein nicht zu unterschätzender Vorteil, da in vielen Häusern eine Vielzahl unterschiedlicher IT-Systeme im Einsatz sind. Das Gesamtsystem weist dadurch zwangsläufig immer wieder Systembrüche auf, weil die vollständige Integration der Anwendungen durch Schnittstellen in den meisten Fällen zu aufwändig wäre.

Weitere wichtige Vorteile beim Einsatz von RPA sind die hohe Ergebnisqualität, die Reproduzierbarkeit von Standardaufgaben, die ständige Verfügbarkeit der Roboter sowie eine Prozessdokumentation, welche die Prozesse revisionssicher werden lässt.

Oftmals werden primär die massiven Kosteneinsparpotentiale als Ziel von RPA-Maßnahmen angeführt, welche durch die vermeintliche Verringerung von Personalkosten erreicht werden könnte. Dieser Punkt ist allerdings gerade im Middle- bzw. Back-Office von Banken mit Vorsicht zu genießen: In diesen Bereichen wird tiefgehendes Fachwissen benötigt, welches hochqualifizierte Mitarbeiter voraussetzt. Hier verschiebt sich der Vorteil der Automatisierung von Prozessen eher zu Gunsten der Prozessqualität. Durch die Automatisierung kann ein Teil der Überforderung wieder reduziert werden, die insbesondere durch die regulatorischen Anforderungen der letzten Jahre in vielen Instituten entstanden ist. Durch den Einsatz von RPA-Software können sich die entsprechenden Abteilungen wieder mehr den eigentlichen Kernaufgaben widmen.

 

Welche Einsatzgebiete im Bankwesen sind sinnvoll?

Aufgrund der dargestellten Vorteile steht außer Frage, dass Finanzinstitute RPA-Software zukünftig noch verstärkt nutzen werden. Vor allem in der Anfangsphase stellt sich dabei die Frage, in welcher Reihenfolge die fraglichen Prozesse optimiert werden sollten – und mit welchem Prozess ein Einstieg sinnvoll ist. Zunächst bieten sich hier Vorgänge an, welche den Kundennutzen optimieren können, wie etwa Chatbots oder Robo-Advisor. Anschließend sollten hochvolumige und repetitive Prozesse, beispielsweise beim Clearing und Settlement oder der Kontoverwaltung betrachtet werden.

Die wahren Stärken von RPA-Anwendungen können aber dann ausgespielt werden, wenn hochkomplexe Prozesse optimiert werden, bei welchen eine hohe Datenqualität unverzichtbar ist.

Solche Prozesse finden sich vermehrt in den Organisationseinheiten Controlling, Meldewesen, Rechnungswesen, Treasury, etc..

Wie können geeignete Prozesse identifiziert werden?

Bei der Auswahl geeigneter Prozesse ist es ratsam, folgende sechs Kriterien genauer zu untersuchen.

  • Regelbasierter Prozess
  • Standardisierter Input
  • Stabile Prozessmethoden / Prozessarchitektur
  • Hochvolumig
  • Repetitiv
  • Wenige Ausnahmen

 

Wenn all diese Punkte bejaht werden können, ist eine Prozessautomatisierung mit hoher Wahrscheinlich sinnvoll.

 

Bei der finalen Prozessauswahl ist es empfehlenswert, eine Reihenfolge einzuhalten, bei welcher zunächst Prozesse mit geringer Komplexität und einem geringen Entwicklungsaufwand möglichst großen Nutze generieren (grüner Bereich). Anschließend sollte auf ein ausgeglichenes Verhältnis des Nutzens zum Umsetzungsaufwand gegeben sein. Nicht zur Automatisierung zu empfehlen sind hingegen Prozesse, welche kaum Nutzen generieren oder bei welchen sich die Prozessabläufe in absehbarer Zeit verändern werden (roter Bereich).

 

In nebenstehender Matrix wären also zunächst Prozesse auszuwählen, welche in die unteren, rechten Quadranten einzuordnen wären. Prozesse des oberen linken Quadranten immer nur dann, wenn aus Gründen steigender Prozessqualität eine Automatisierung trotz hoher Kosten und bedeutendem Aufwand noch sinnvoll erscheint.

In den nächsten Jahren wird Robotic Process Automation viele Prozesse in Finanzunternehmen verbessern. Bei einer Beachtung der zuvor genannten Punkte wird diese Transformation sicher zu einer Erfolgsgeschichte. Wir schauen uns gerne mit Ihnen gemeinsam die vorhandenen Prozesse an, um das Optimale auch aus Ihren Prozessen herauszuholen, sprechen Sie uns an.

 

 

Autoren: Steffen Kuch, Mathias Scherf

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.