Blockchain Geschäftsmodelle


Blockchain Geschäftsmodelle

Und was unterscheidet diese aus Businesssicht von den anderen Geschäftsmodellen?

Wenn man von Geschäftsmodellen auf der Blockchain spricht, wird man oft mit  Fragen zur verwendeten Technologie, dem Consensusverfahren oder der Art der Blockchain (Public oder Private Blockchain) konfrontiert. Das zeigt jedoch nur, dass nicht das Geschäftsmodell als solches, sondern „nur“ die Technologie im Mittelpunkt der Fragen bzw. Überlegungen steht.

Wie bei jedem Geschäftsmodell sollte auch bei Blockchain Geschäftsmodellen die Bussinessicht (Kunden-, Produkt- oder Dienstleistungsfocus) mehr im Vordergrund stehen. Doch wo liegen hier nun die Unterschiede?

Die Blockchain ist eine Backend-Technologie. Sie ermöglicht andere bzw. neue Modelle der Zusammenarbeit zwischen verschiedenen beteiligten Parteien.

Ebenfalls neu ist die Möglichkeit der Erstellung eines einzigartigen digitalen Wertes, der weitergereicht und gehandelt werden kann. Zum einen als Cryptowährung zum andern als digitaler Wert. Das Ganze gepaart mit einer technischen Infrastruktur, die es (nahezu) unmöglich macht betrügerisch in das System einzugreifen.

Bei dieser Art der Unterteilung ist es aber vom Bedeutung den Unterschied zwischen der Technologie und dem Businesscase oder der Fachlichkeit wirklich zu erkennen. Durch die Art und den Aufbau der Technologie kann das – und das sage ich aus eigener Erfahrung – anfänglich etwas verschwimmen. Deshalb möchte ich den folgenden, zugegeben manchmal hinkenden Vergleich verwenden, um den Grundaufbau nochmal zu erläutern.

Blockchain als eine Art Autobahn

Stellen wir uns die Blockchain als eine Art Autobahn vor. Allerdings handelt es sich um eine privat betriebene Autobahn. Kleine Teilabschnitte daraus gehören unterschiedlichen Eigentümern (Parteien).

Bei der Blockchain spricht man hier von den Knoten (Nodes). Nur der Zusammenschluss mehrerer Nodes ermöglicht es überhaupt die Datenautobahn sinnvoll zu verwenden. Die Straßenverkehrsordnung dieser „Autobahn“ wurde zu Beginn des ersten Baus einer Teilstrecke festgelegt und nennt sich Protokoll. Es regelt die Spielregeln im Blockchain-Netzwerk.

Damit das Ganze sicher ist, erhält jeder Besitzer immer volle Transparenz über die aktuelle Verkehrslage auf der Autobahn. Das geschieht über eine Kopie der aktuellen „Chain“. Dabei handelt es sich um Einträge in einer Datei, die ständig fortgeschrieben werden. Jede Änderung wird als neuer Eintrag vermerkt und im Anschluss an alle angeschlossenen Knoten (Autobahnteilstück-Besitzer) in Kopie verteilt. Da immer nur Zeilen hinzukommen, erschwert man es Betrügern falsche Daten aus der Vergangenheit in den Umlauf zu bringen. Zudem kontrollieren alle anderen Knoten ob die neue Aktualisierung so stimmig ist. Nur wenn die Mehrheit davon überzeugt ist handelt es sich um eine gültige Transaktion.

Greifbarer wird es mit einem einfachen Beispiel. Angenommen Bob, Alice und Marc befinden sich im gleichen Netzwerk. Bob kauft von Marc ein Auto und der Kauf wird auf der Blockchain protokolliert. Die Information ist durch das Protokoll allen im Netzwerk befindlichen Personen bekannt – auch Alice. Selbst wenn Marc nun das Netzwerk verlässt oder den Verkauf bestreitet kann Bob mit Hilfe von Alice den Besitz nachweisen, denn beide besitzen die identische Information zum Besitzübergang von Marc zu Bob. Die Nachvollziebarkeit der Aktionen zusammen mit der Mehrheit bestimmt die Wahrheit. Eine übergreifende Instanz ist dafür nicht nötig.

Aber zurück zu unserem Vergleich. Damit nun auch alle Autobahnteilstück-Besitzer (Knoten) etwas davon haben das Ihr Autobahnteilstück befahren wird, gibt es eine Maut. Je nach Benutzung muss der Nutzer des Teilstückes dafür zahlen. Bei der auf dem Ethereum-Protokoll basierenden Blockchain nennt sich das „Gas“.

Autos, als Abbildung von Geschäftsmodellen

Doch was wären die Straßen ohne die darauf fahrenden Autos. Auch die gibt es. Bei der Blockchain spricht man von SmartContracts, Coins, DigitalAssets, usw. Tatsächlich sind das die Dinge die den Mehrwert ausmachen und die Fachlichkeit transportieren. Jegliche Aktivität die von ihnen ausgeht wird über sogenannte Transaktionen festgehalten und in der verteilten Verwaltung (Distributed Ledger) vermerkt. Das Ganze ist für jeden einsehbar, nachvollziehbar und sicher. Eine Verbriefung, eine digitale Identität, ein neuer Coin, all das läuft on top auf der Autobahn, der Blockchain als Basis- / Backend-Technologie.

Natürlich hinkt dieser Vergleich. Beispielsweise hängen die Knoten nicht wie im Autobahnbeispiel hintereinander. Eigentlich ist jeder mit jedem, oder zumindest mit vielen weiteren verbunden. Das Prinzip kennt man aus Tauschbörsen vergangener Tage wie z.B. Nepster.

Wenn wir nun über Geschäftsmodelle reden, dann reden wir meist rein über die Autos, die auf der Autobahn fahren. Die Autobahn selbst muss zwar ggf. um eine Ausfahrt oder ein bestimmtes Serviceangebot erweitert werden, bildet aber das technische Backend.

Die Blockchain hinterfragt

Macht dieser ganze technische Aufbau immer Sinn? Brauch ich denn immer die Blockchain? Nein! Man muss schon genau hinsehen und bewerten, wann sie Sinn machen kann. Beispielsweise macht die Blockchain nur Sinn, wenn viele Parteien, die an dem fachlichen Prozess beteiligt sind, teilnehmen.

Ebenfalls wichtig ist, dass ein „DigitalAsset“ wie oben erklärt, also ein Wertgegenstand wie eine Urkunde, ein Zertifikat das digitalisiert abgebildet wird oder ein Coin vorhanden ist, den ich tatsächlich weitergeben kann. Und letztendlich möchte man mit dieser Art der Zusammenarbeit auch Vertrauen schaffen. Nur wenn diese Voraussetzungen erfüllt werden können, sollten sie sich weiter mit der Blockchain beschäftigen.

Aber Vorsicht! Mit dem Einbeziehen vieler beteiligter Parteien öffnen Sie sich nach außen. Darüber sollte man sich bewusst sein. Dies kann sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf das eigene Geschäftsmodell und auf Geschäftsmodelle anderer haben.

Wurden diese technischen Neuerungen oder Vorteile erst einmal durchdrungen, ergibt sich schnell die Erkenntnis, welche Auswirkung die Technologie auf aktuelle Geschäftsmodelle haben kann bzw. wie sich Chancen für neue Geschäftsmodelle ergeben. Es ist also nicht die Technologie, sondern die Art der Zusammenarbeit und die daraus entstehenden Bedürfnisse, die neu sind und das Geschäftsmodell verändern.

In einem der nächsten Blogs will ich an einem konkreten Beispiel untersuchen welche Motivationen hinter der Beschäftigung mit der Blockchain-Technologie stecken können.


Über Karsten Treiber

Karsten Treiber ist Director Digital Finance der targens GmbH. Zu seinen Aufgaben gehört die Beurteilung von innovativen, verlässlichen und zugleich investitionssicheren IT - Architekturen sowie deren produktiven Einsatzmöglichkeiten. Sein Schwerpunktgebiet ist die Blockchain und Distributed Ledger Technologie und deren fachlicher Einsatz, Beurteilung und Feststellung von Auswirkungen auf Geschäftsmodelle. Er ist Mitglied in der SIG Blockchain der bwcon, sowie dem Blockchain Experten-Netzwerk blockLAB.

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